RENN-PSICHOLOGIE

Kennen wir mental wirklich keine Grenzen? Über sportliche Leistungsfähigkeit und ihren Mythos.


In den letzten Jahren habe ich mich im Zuge meiner Arbeit mit Olympiamannschaften von Ausdauerdisziplinen wie Langlauf, Triathlon oder Kanu viel mit der Beziehung zwischen „Kopf“ und sportlicher Leistungsfähigkeit beschäftigt. Dies auch, wenn ich mit Spitzensportlern aus nicht-olympischen Diszipinen wie Ultramarathon oder Bergsteigen arbeitete.

Ich habe den Eindruck, dass die meisten Sportler – vor allem aus dem Amateurbereich, was auch für die Mountainbiker gilt – den mentalen Aspekt bei der Leistungsfähigkeit falsch einschätzen. Entweder leugnen sie ihn völlig, oder sie messen ihm zauberhafte Wunderwirkungen bei, nach dem Motto „Der Kopf ist zu allem in der Lage, er kennt keine Grenzen.“ Beide Einstellungen sind falsch und irreführend: Die Leistungsfähigkeit lässt sich zwar mental beeinflussen, das ist richtig. Doch mit dem Kopf allein kommt man nicht weit. Wenn du nicht trainiert bist, sondern nur extrem motiviert, dann wirst du den HERO höchstens irgendwie zu Ende bringen, aber bestimmt nicht die Pedale mit mehr Power treten, als du eigentlich in den Beinen hast.

Also räumen wir am besten mal ein bisschen auf mit den falschen Vorstellungen. Das kann dir dabei helfen, dich besser auf den HERO Südtirol Dolomites vorzubereiten. 

Folgendes sollte man zu dem Thema wissen:

  1. Das theoretische Limit einer Ausdauerleistung ist nicht mental, sondern körperlich bestimmt. Der Hubraum eures Motors bestimmt die maximale Geschwindigkeit, mit der ihr theoretisch das Rennen zu Ende bringt. Das ist eine wissenschaftliche Tatsache. Alles andere zu glauben würde bedeuten, dass der Kopf Wunder bewirken kann.
  2. Dennoch gelingt es uns beinahe nie, unsere durch den Stoffwechsel bestimmten Leistungsgrenzen auch wirklich zu erreichen. Denn verschiedene Faktoren beeinflussen unsere Leistung so, dass die echten Grenzwerte niedriger sind als die theoretisch möglichen. Und diese Faktoren sind mental. Einige besonders verbreitete haben mit Angst und Gefühlen zu tun. Für viele Sportler ist es zum Beispiel typisch, beim Training schneller zu sein als beim Rennen. Es ist so, als würden diese Leute beim Training näher an ihre körperlichen Leistungsgrenzen heranfahren, um dann beim Rennen selbst wieder abzufallen. Wenn wir verstehen wollen, wie diese Gefühlsfaktoren die Leistung beeinflussen, müssen wir daran denken, dass jedes psychologische Element – sogar Gedanken und Gefühle – physische Auswirkungen hat. Wenn ich zum Beispiel am Tag des HERO Südtirol Dolomites Angst habe, nicht gut zu fahren oder die Erwartungen meiner Freunde zu enttäuschen, dann bleibt diese Angst nicht auf meinen mentalen Zustand beschränkt. Sie hat auch Auswirkungen auf den Körper. Angst beispielsweise ist ein Signal, das den Körper dazu bringt, Hormone vom Typ der Katecholamine (zu denen auch Adrenalin gehört) zu produzieren, die bei gleichbleibender Belastung einen Anstieg der Herzfrequenz bewirken oder auch den schnelleren Verbrauch des Leber- und Muskelglykogens, was wiederum dazu führt, dass ich schon nach der halben Strecke fix und fertig bin.
  3. Ein anderer psychologischer Faktor, der darüber mitbestimmt, ob wir unsere körperlichen Grenzen erreichen können, ist die Leidensfähigkeit. In anderen Worten, unsere Toleranz gegenüber Erschöpfung und Ermüdungsschmerzen.  Manchen Sportlern mit guten physischen Voraussetzungen gelingt es beim Training nie, über ein bestimmtes Maß an Anstrengung hinauszukommen, und es ist unwahrscheinlich, dass sie es dann ausgerechnet bei einem Rennen schaffen sollen. Dann gibt es die weniger gut „motorisierten“ (oder älteren) Sportler, die sich dagegen richtig zu plagen wissen und dann im Rennen womöglich besser sind. Die Fähigkeit, Anstrengung und Leiden zu ertragen, hängt von der Motivation ab und ist – im Gegensatz zur weitverbreiteten Meinung – nicht angeboren, sondern wird erlernt. Das heißt, man kann sie sehr gut trainieren. Tatsächlich besteht ein Großteil meiner Arbeit als Psychologe darin, Methoden zu entwickeln, mit denen man diesen Aspekt vertiefen kann. Ihr seht also, Kopf und körperliches Training sind keine separaten Faktoren der sportlichen Leistung: Nur wenn ich hochmotiviert bin, kann ich eine körperliche Belastung aushalten, mit der ich mein körperliches Limit erreichen kann. Bin ich dagegen mental eher schwach unterwegs, werde ich nur einen Bruchteil meiner körperlichen Maximalleistung herausholen können. Und weil die Fähigkeit, sich zu motivieren, nicht angeboren ist, sondern von unserem Lebensstil beeinflusst wird, müssen wir heute stark an diesen Aspekten arbeiten: Unsere heutige Gesellschaft neigt nämlich dazu, uns von jeder Art körperlichen Unwohlseins übermäßig zu beschützen, so dass sich unsere Fähigkeiten in dieser Hinsicht stark verringert haben. Das behaupte ich jedenfalls in meinem neuen Buch mit dem Titel „Techniken des inneren Widerstands“. 

Kurz und gut: Der Kopf ist nicht alles und kann auch nicht alles. Er kann aber den kleinen Unterschied ausmachen – auch beim HERO.

In den nächsten Folgen werden wir das Thema noch weiter behandeln.

PIETRO TRABUCCHI

www.pietrotrabucchi.it



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