So trainiert die italienische mannschaft

Wie das italienische nationalteam für den hero trainiert


Natürlich muss man die Werte auf das eigene Normalmaß herunterbrechen... doch jeder „Held“ ist neugierig darauf, wie und wann die Mountainbike-Profis wohl so trainieren. Nicht, weil er sich die gleichen (für Amateure undenkbaren) Trainingseinheiten aufbürden möchte. Sondern einfach, weil man nun einmal die gleiche Leidenschaft teilt. Aus diesem Grund haben wir Hubert Pallhuber interviewt, den Coach der italienischen MTB-Nationalmannschaft, und ihn nach dem Gesundheitszustand der italienischen Sportler und nach dem Trainingsplan der azzurri bis zum HERO am 27. Juni gefragt, dem Tag, an dem der UCI-Weltmeisterschafts-Titel in der Marathondisziplin 2015 verliehen wird.

F: Wie bereitest du dein Team für die Weltmeisterschaft vor?
Hubert Pallhuber: "Wir haben unsere Vorbereitung mit einem Trainingslager im Schnee in Gröden begonnen. Und sind dabei aus der üblichen Trainingsroutine ausgeschert und haben stattdessen auf die Vielfalt und den Spaß gesetzt. Das nächste Trainingslager findet vom 5. bis 15. März in Alassio in Ligurien statt. Da wird es vor allem um Ausdauer gehen, um Materialtests und um das Abfahrtstraining. Bis es soweit ist, trainieren die Sportlerinnen und Sportler jeweils mit ihren Mannschaften. Bevor die italienischen Marathon Series starten, nehmen die Fahrer noch an verschiedenen Cross Country Rennen teil, die nützlich sind, um die Geschwindigkeit zu verbessern. Von 9. bis 13. Juni treffen wir dann alle in Wolkenstein in Gröden zusammen, um mit den Sportlern die letzten Details vor der UCI Marathon Weltmeisterschaft 2015 durchzugehen.“

F: Hast du schon entschieden, wer im Team für die WM sein wird? Wer sind die besten Pferde im Stall?
Hubert Pallhuber: "Was diejenigen angeht, die mit Sicherheit starten, so habe ich schon fünf bis sechs Namen im Kopf. Ich werde aber auf alle Fälle alle Möglichkeiten ausschöpfen, die wir in unserer Eigenschaft als veranstaltendes Land haben, um auch Nachwuchstalenten eine Möglichkeit für ihre sportliche Zukunft zu garantieren.
Wir haben mit Sicherheit Sportler dabei, die es schaffen können. Trotzdem gibt es zur Zeit in unserem Team niemanden mit den Eigenschaften eines Mirko Celestino, der in der Zwischenzeit ja aufgehört hat. Celestino hat zwei Medaillen bei Weltmeisterschaften gewonnen und hatte einfach mehr drauf als alle anderen. Die stärksten Fahrer, auf die ich momentan bauen kann, sind für mich im Moment der amtierende Italienische Meister Samuele Porro bei den Männern und Daniela Veronesi bei den Frauen. Auf einer Strecke wie dem Sellaronda HERO könnte dank seiner Kletterqualitäten aber auch Toni Longo ein Wörtchen mitreden.“

F: Was sind deine Erwartungen? Ist das Siegertreppchen drin?
Hubert Pallhuber: "Zur Weltmeisterschaft müssen wir mit der richtigen Einstellung antreten: Wir müssen uns auf die Langstrecke konzentrieren und das Rennen kaltblütig angehen. Wenn uns das gelingt, können wir auf eine Medaille hoffen. Aber noch ist es zu früh, um Namen zu nennen. Wir müssen sehen, wie sich die Saison entwickelt.“

F: Wer sind die gefährlichsten Gegner?
Hubert Pallhuber: "Das sind alles bekannte Namen. Fahrer, die schon in den letzten Jahren mehrere Medaillen gewonnen haben, wie z.B. Christoph Sauser, Jaroslav Kulhavý, Urs Huber, Ilias Periklis oder Alban Lakata. Als Favoriten Nr. 1 sehe ich den Kolumbianer Leonardo Paez, der bereits die letzten drei Ausgaben des Sellaronda HERO gewonnen hat. Bei der Abfahrt verliert er keine Zeit, und auch bergauf könnte er stärker sein als die Konkurrenz. Wenn er diesmal nicht gewinnt, dann nie mehr... Bei den Frauen tippe ich auf Gunn-Rita Dahle-Flesjå, Annika Langvad, Sabine Spitz, Esther Süss und Sally Bigham. Für unsere italienische Fahrerin Daniela Veronesi dagegen handelt es sich um die letzte WM und vielleicht sogar um das letzte Rennen in ihrer aktiven Karriere...“
F: Auf welchem Streckenabschnitt wird sich der Titelgewinn entscheiden?
Hubert Pallhuber: „Ich glaube nicht, dass es zu einem Endspurt kommen wird. Aus diesem Grund glaube ich, dass sich die WM beim vorletzten oder letzten Anstieg entscheiden wird. Da sieht man, wer die beste Kondition und die beste Resistenz hat. Man darf aber auch die Bedeutung der letzten Abfahrt nicht unterschätzen, wo sich zeigen wird, wer der konzentrierteste und klarste Fahrer ist.“

F: Wie sieht es bei den jungen Fahrern aus?
Hubert Pallhuber: "Viele ausländische Sportler können ihr ganzes Potential erst ab 30 Jahren zum Ausdruck bringen. Wir dagegen können auf eine ganze Reihe junger Biker zählen, die noch keine 30 sind. Zum Beispiel Samuele Porro, Juri Ragnoli, Johannes Schweiggl oder Daniele Mensi. Wenn diese Hoffnungsträger sich richtig weiterentwickeln, dann können wir in drei bis fünf Jahren Weltspitze sein, denn mit den Jahren erhöht sich die Ausdauer.“

F: Wie siehst du die technische Entwicklung beim Marathon?
Hubert Pallhuber: "In Zukunft wird es immer mehr um das richtige Material gehen. Entscheidend wird es sein, das leichteste und widerstandsfähigste Rad zu haben. Diese Entwicklung kann man jetzt schon beim Zahnkranz beobachten. Bis vor ein paar Jahren hatten die Fahrräder drei, heute besitzt der Großteil nur noch einen. Und sehr wahrscheinlich bekommen wir in Zukunft auch die elektronische Gangschaltung.“

F: In welchem Maße hat der HERO zur Förderung der Marathon-Bewegung beigetragen?
Hubert Pallhuber: "Auf nationalem Niveau hat der HERO nach der Europäischen Meisterschaft und der WM von Montebelluna (Treviso) mit Sicherheit dazu beigetragen, dass das Interesse am Marathon steigt. Viele Cross-Country-Biker haben sich auf die Langstrecke verlegt, und der HERO ist da ziemlich wichtig. Gleichzeitig ist der HERO das am besten beworbene und organisierte Rennen der Welt, weil es auf ein extrem professionelles Team zählen kann. Außerdem besitzt der HERO eine symbolische Bedeutung, denn diese Veranstaltung – angefangen mit seinem Präsidenten – ist ein Vorbild für alle.“

F: Wann bist du zum letzten Mal in den Sattel gestiegen, um die Landschaft zu bewundern? Gehst du mit deinen Kindern und deiner Familie zum Biken?
Hubert Pallhuber: "Manchmal, wenn ich mit dem Rad unterwegs bin, genieße ich bewusst die herrliche Landschaft, die uns umgibt. Dafür hatte ich in Vergangenheit nicht so den Blick...
Wenn ich daheim bin oder beruflich nicht allzu weit von zuhause wegmuss, radle ich mit meinen Kindern (9 Jahre, 7 und 4 Jahre) und mit meiner Frau. Am Wochenende dagegen treffe ich oft die ganze Familie auf dem Radweg oder auf den Rennstrecken, weil mein 7ähriger Sohn an Jugendrennen teilnimmt. Das lustige ist, dass ich mich bei seinen Rennen nicht einmische und dann von ihm geschimpft werde, weil ich mich angeblich nicht für ihn interessiere...“


Hubert Pallhuber ist 49 Jahre alt und wurde in Antholz in Südtirol geboren. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Im Jahr 1997 gewann er den Weltmeister-Titel in der XCO-Disziplin in Château-d'Œx (Schweiz). Im Jahr 2000 hat er an den Olympischen Winterspielen in Sydney teilgenommen. Seine aktive Sportlerkarriere beschloss er 2002 nach den Weltmeisterschaften in Kaprun (Österreich). Seit 2006 ist er der verantwortliche Coach der italienischen Mountainbike-Nationalmannschaft.

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